© Wersi Verona

......bei den alleinige Geschichten ist das ©Copyright bei ©Otmar Kierstein.......Danke noch mals dafür.

In Ihrer Frauengruppe erzählt die Frau des Seemannes:

Ihr wißt ja, mein Mann ist Kapitän und ich habe mich an seine Sprüche längst gewohnt. Er nennt den Fußbodeh zu Hause >Deck<, die Tür >Schott> und unsere Eßecke >Pantry<. Überrascht war ich auch nicht als er, nach der Geburt unserer Kinde, telegraphierte > gut gemacht<. Aber es war mir doch ein bißchen zuviel als er am ersten Abend nach langer Fahrt, mir ins Ohr flüsterte:" Gut dich längstseits zu haben".
Unser Sohn wollte seinen Klassekameraden etwas über den Beruf seines Vaters erklären und schrieb in einem Aufsatz über das Schiff seines Vaters:
Das Schiff fängt vorn an und hört hinten auf. Es gibt aber Schiffe die hören schon früher auf, weil sie kleiner sind. Das Schiff hat zwei Seiten die sich gegenüber liegen, jede ist wo anders und sie heißen Steuerbord und Backbord. Zwischen Ihnen, in der mitte, ist der Mastbaum. Da hängen die Segel dran. Die sind aber oft nicht da denn man sieht sie nicht.
Oben auf dem Mast ist der Mastkorb, da führen Stricke hin die unzerreissbar sind.
Darum klettern auch nur die Leichtmatrosen dort hinauf. Die sitzen denn in diesem Korb und blicken in die Runde rum, ob das Wasser noch lange dauert.
Die Schiffe haben auch alle einen Namen der ist aber immer anders. Das eine Schiff heißt Prinsess, das andereOlga und wieder ein anderes Elfride, wie unsere Nachbarin zu der Papa immer Schatzilein sagt, wenn Mama nicht in der nähe ist.
Die Schiffe haben in der Mehrzahl Frauennahmen. Papa sagt, das dies kommt weil die Takelage so teuer ist. Ja mein Papa weiß alles.
Wer Matrose werden will, heißt erst Schiffsjunge. Sie ernähren sich von den Reisenden die mit ihnen fahren oder von Auswanderern und Touristen. Wohin sie wollen das sagt immer der Kapitän, denn der ist der oberste auf dem Schiff. Er muß auch immer die 6 - Tanten bei sich haben. Hat einer keine 6 - Tanten kann er auch kein Kapitän sein. Ich habe zum Beispiel nur 3 Tanten und da ist es schwierig für mich Kapitän zu werden.
Hinter dem Kapitän kommt der Steuermann welcher das Schiff immer rumdrehen kann. Er tut das aber nicht denn das ist verboten. Er muß immer geradeaus fahren und deshalb auf den Kompaß gucken weil der Nordpol nicht verloren gehen darf.
Hinter dem Steuermann ist der Bootsmann dran. Der hat eine Pfeife. Wenn er darauf pfeift kommt der Wind.
Hinter dem Steuermann kommen die Matrosen, man nennt sie auch Sehmänner und sie müssen alle gute Augen haben. Sie können auch eine Sehkrankheit kriegen, die ist aber ziemlich leicht zu beheben. Es weis nur keiner, wie. Die Matrosen bekommen alle eine Heuer, darum haben sie immer Geld wie Heu.
Gelesen habe ich dies einmal in einem alten Seefahrtsbuch. Hab es aus dem Gedächtnis wieder gegeben. Ist bestimmt nicht original aber ich hoffe es amüsiert euch ein wenig.
Herzlich grüßt Kümo


ERSTE HILFE AUF HOHER SEE

Ich habe ja schon erzaehlt von der schweren koerperlichen Arbeit auf den Loggern und Fischdampfer, auf den Fischereifahrzeugen der damaligen Zeit, in den fuenfziger und sechziger Jahren, des vorigen Jahrhunderts. Geschuftet wurde buchstaeblich bis zum umfallen, bei schönen sonnigen, aber auch bei miesen Wetter mit hochgehender See, ueberkommenden Brechern, Hagelschauern ,Schneeschauer und schweren Gewittern. Die Seeleute mussten auf dem offenen Deck arbeiten, bekleidet mit ihrem Suedwester, grossen Gummischuerzen und ihren Seestiefeln.

Die Leder oder Wollhandschuhe, die sie zu beginn des hievens trugen waren schon laengst ausgezogen da sie pitschnass waren und keinen Schutz mehr boten. So standen die Seeleute an der Reeling, oft den tobenden Elementen unmittelbar ausgesetzt, beobachteten das aus dem Wasser kommende Scheerbrett und das Netz. Mit blossen Haenden griffen sie ins Salzwasser, fassten in die Maschen des Netzes und halfen das Netz an Deck zu ziehen.

An den scharfen Fasern des aus Hanf- oder Kunststofffasern gestrickten Netzes rissen sie sich die Haende auf. Nachdem der gefangene Fisch, nach öffnen des Steertes an Deck geplumpst war, wurde das Netz wieder geschlossen und neu ausgesetzt und schon bald brannten die Haende, durch das Salzwasser, wie das Höllenfeuer. Nach dem aussetzen des Netzes musste der Fisch geschlachtet und sauber gespuelt werden. Nun wurden die geschlachteten Fische nach unten in die Fischraeume gehievt und dort in den Kribben, zusammen mit immer einer Lage Eis, gelagert.

Die Haende sind rissig und wund und unter so manchen Fingernaegeln, steckten tief eiternde Graeten, die man in den letzten Stunden, waehrend der Arbeit nicht entfernen konnte. Nun meldet sich der Schmerz aeusserts heftig aber ein echtes Mittel gegen den Schmerz gab es nicht. Bei manchem waren die schwieligen Haende an den Fingergelenken eingerissen, tief aufgeplatzt das der Knochen hervor schaute.

Nun wurde das alte Erste Hilfe und Heilmittel für Fischersleute angewandt. Ein Wollfaden wurde in die Wunde hineingebunden. Dies geschieht damit die Wunde nicht von aussen sondern von inner heraus heilt. Beim Beginn des nächsten hievens, heisst es die Zaehne zusammen zu beissen. Die Schmerzen beim einholen des Netzes und die Beruehrung des Salzwassers, sind kaum auszuhalten. Aber nach dem Totbeissen des Schmerzes wird es besser und bald geht es wieder mit voller Kraft an die Arbeit.

©Otmar Kierstein

KUEMOS MUETZE

Also Leute, diese Geschichte muss ich euch unbedingt noch erzaehlen, Ja richtig, es geht um meine Mütze. Lange Jahre trage ich diesen Deckel nun schon. Seit meiner Kuemozeit in den 60ziger Jahren. Schlicht und einfach ein Elbsegler. Der hat mir immer schon am besten gefallen. Eine Prinz Heinrich Muetze? Nee, die war mir zu fein, zu adelig halt oder zu Prinzig. Also der Elbsegler musste es sein und vorne dran kam eine Mützenfahne.. Klein aber fein, von der Stadt Bremen halt,etwas teurer, Rueckseite und Rand vergoldet, Vorderseite fein verarbeitet, mit dem Bremer Wappen, da ja mein Kuemoreeder/Kapitaen keine solche Mützenfahnen bei einem Hersteller in Auftrag gegeben hatte.

Später, als ich dann in der Fischerei fuhr, suchte ich immer nach einer Muetzenfahne der Hochseefischerei Kiel oder der Heringsfischerei Glueckstadt. Dies waren meine Lieblings-
Fischerei-Reedereien. Aber ich habe nie ein Faehnchen dieser Reedereien bekommen, wo ich doch so gern eins getragen haette. Von allen moeglichen Fischereien habe ich in meiner Sammlung die Faehnchen, nur eben von denen nicht, die ich gern gehabt haette. Also trug ich das Muetzenfaehnchen von Egon Oldendorff, einer Reederei aus Luebeck. Ihr kennt sie ja sicher alle. Ich hatte dort einige Fahrten nach Achangels gemacht und hatte dann die Schnauze voll und bin wieder ausgestiegen.

Nachdem ich dann spaeter mit der Seefahrt aufgehoehrt hatte und die letzten Jahre meines Berufslebens, an der Hochschule der Kuenste in Berlin verbrachte, bekam mein Muetzenfaehnchen den Aehrenkranz. Plötzlich und unerwartet ist dieser Aehrenkranz, als ich Ebay durchforstete vor mir aufgetaucht und als ich ihn sah, durchzuckte es mich wie ein Stromschlag, „diesen Kranz musst du haben“. Also wurde geboten und ich kann euch sagen: billig ist mir der Kranz nicht geworden, denn die Mitbieter wollten das Schmuckstueck auch unbedingt haben.

Aber ich habe es schliesslich doch geschafft, das Stückchen Stoff mit einem aus Gold geflochtenen Kranz erhielt seinen Ehrenplatz an meinem Elbsegler und in der mitte prunkt das Faehnchen mit den Buchstaben E O , Egon Oldendorff. Ein Schmuckstück sag ich euch, voller Stolz von mir getragen.

Als ich nun, ihr wisst ja, im Maerz dieses Jahres umzog, hoerte ich es zum erten mal, ich bezog es gar nicht auf mich, ein aelterer Hausbewohner gruesste im Voruebergehen „“Tag Kaeptn“ Ich arbeitete weiter, erwiederte den Gruss aber so richtig hatte ich das nicht gescheckt. Schon 2 Tage spaeter hoerte ich es wieder „Hallo Kaeptn, wie geht’s?“ Ich erwiederte den Gruss und ahnte, das man mich wohl für einen Kapitaen hielt. Am anderen Tag wurde ich dann ins Krankenhaus eingeliefert, wo ich fast ein halbes Jahr bleiben musste. Keine Gelegenheit mehr die Sache mit dem Kapitaen, in der Nachbarschaft, klar zu stellen.

Nur meine Frau wurde verschiedentlich gefragt ob ihr Mann denn auf See sei und wo er sich wohl zur Zeit befaende. Wenn sie dann antwortete das ich im Krankenhaus sei, schaute man sie nur unglaeubig an. Auch wollte man ihr nicht glauben das ich schon Rentner sei. Man habe mich für einen alten Kaepp,n gehalten, der wohl bald in Rente gehen wird.

Ja—wie stehe ich nun da? Komme mir vor wie ein Hochstapler, ein Betrueger, der anhand der Mütze auf sich aufmersam machen will. Kann mir nur zu gute halten das ich mich nie als Kapitaen vorgestellt habe, nie irgendetwas über Seefahrt erzaehlt habe.
Mein Gott, da hat mir ja die Liebe zu meiner Muetze ganz schoen `was eingebrockt.
Was mache ich denn nun, soll ich mich von der Muetze trennen? Vielleicht ein Band dran befestigen „Dies ist keine Kapitaensmuetze“ ? Moensch, ich halte doch meine Muetzen so in Ehren. Die allererste existiert sogar noch, ja genau, die alte abgegriffene,
Sie liegt unter Glas, jawohl, unter Glas und wird in Ehren gehalten als ein besonderes Erinnerungsstueck.
KUEMOS ERSTE MUETZE

Aber etwas Gutes hat die ganze Geschichte doch, ich habe für mich ganz besonders gemerkt, das der Beruf des Seemanns, der Schiffsoffiziere, des Kapitaens, sehr wohl, auch im Hinterland der Republik, bekannt ist. Jeder wusste zu welchem Berufsstand diese Muetze gehoerte.. Der Beruf den Seemanns wird anscheinend von der Bevoelkerung geschaetzt. Man mag diese befahrenen Seemaenner und weis sehr wohl, noch heute, was die Menschen dieses Berufstandes fuehr die hungernde Bevoelkerung getan haben.

Also Leute, nun mal Bauch rein, Brust raus, man kennt uns, man weis wer wir sind.

©Otmar Kierstein

Es geschah 1912


Ist diese Geschichte wahr oder habe ich sie erfunden?
Da kommt ein Segelschiff
Der Post und Passagierdampfer „OZEANA“ befand sich auf der Fahrt von London nach Bombay und hatte soeben Royal Sovereign-Feuerschiff passiert als das Schott zur Bruecke aufgerissen wurde, wo der zweite Offizier und der erste Offizier Wache hielt.
Der Dritte trat herein, er hatte mit einem Quatermeister und einem Matrosen auf der Back Wache gehalten, ein Segelschiff gesichtet das gruen zeigte und meldete: „ Entgegenkommer voraus, ein Segelschiff.“
Der zweite und der erste Offizier, die auf der Bruecke Dienst taten, blickten durch ihre Ferngläser und setzten nach kurzer Zeit die Glaeser wieder ab..
„Ach bis der ran ist, sind wir längst vorbei. Immerhin laufen wir unsere 15 Knoten. Ist ja nur ein Segler“
Der erste Offizier, der neben ihm stand, war leider der gleichen Meinung, nickte und sog zufrieden an seiner Pfeife. Diese Zufriedenheit und Unachtsamkeit sollte einigen Menschen das Leben kosten.
Es kam ihnen ein Segler entgegen. Zwei Offiziere taten auf der Bruecke Dienst.. Trotzdem ,….. das für eine solche Situation vorgeschriebene Ausweichmanöver wurde nicht durchgefuehrt.
Waren die beiden Offiziere schuldig? Schwer zu sagen ? War nicht letztlich das System schuld, das große Schiffe der Fuehrung von Maennern anvertraut die niemals auf einen Segler gefahren hatten? Woher sollten sie wissen wie schnell ein Segler Fahrt machen konnte bei der Momentan herrschenden Brise und wie wird er wohl manoeverieren?
Der entgegen kommende Segler war die „“PISAGUA“. Auf deren Hochdeck standen der wachhabenden Erste Offizier Peiper und Rohwedder der Dritte und am Ruder der Matrose Kappes. Auf der Back hielt der Matrose Koeller Ausguck. Auch Kapitaen Ruehmann war an Deck. Die Nacht war gegen 3.15 Uhr dunkel aber Feuersichtig. Eine frische NW Brise trieb den Viermaster, Kurs Nord 81 Ost, der Dover –Enge entgegen.
Alles war bisher gut gegangen, die ganze lange Reise von Iquique ohne Havarie. Jetzt aber kam einen dieser dicke Dampfer in die Quere. Die konnten ja nicht mal richtig sehen dort auf der Bruecke.. Ja denken die denn nicht daran auszuweichen? Oh diese verdammten Smokewer!
Der Dritte rannte nach vorn um nach den Lampen zu sehen. Sie leuchteten hell und klar.
Der Erste brannte ein Blaulicht ab. Duebel ok, die muessen uns doch sehen. Doch der Dampfer drehte noch immer nicht. Ja Mensch, sind die denn blind?
Nein sie waren nicht blind. Sie sahen sehr gut. Sie waren sich ihrer Kraft sehr sicher und dachten diese jetzt gegen den Segler auszuspielen. Niemand war auf der Brücke, der aus der aufkommenden Situation die richtigen Schluesse ziehen konnte. Welchen Zweck hat alle Wachsamkeit wenn nicht richtig reagiert wird?
Im letzten Augenblick kam der Lotse und der Kapitaen auf die Brücke. Sie hatten sich im Kartenraum befunden. Auf seinen Befehl hin begann der Dampfer auszuweichen. Aber leider zur verkehrten Seite. Er drehte genau vor den Bug des Seglers. Der Aufprall war furchtbar. Der Klueverbaum knickte um und lag auf der Back. Der Steven war bis zum ersten Kollisionsschott eingedrueckt. Alle Raaen und Segel waren mit der Vorbramstenge herab-
gestürzt. Die Pisagua war manoeverierunfaehig. Nun leckte das Kollisionsschott und begann sich durchzubiegen. Kapitaen Ruehmann ließ die Boote klarmachen. Nur das geschickte Arbeiten der Besatzung rettete das Schiff. Es wurde am naechsten Morgen von einem Schlepper nach Dover bugsiert wo es eine komplette Balkenwand erhielt und wurde dann nach Hamburg geschleppt.
Die Bordwand der Oceana war12 m weit aufgerissen. Das Schiff begann sofort zu sinken. Alle Boote wurden klar gemacht. Zuerst wurden die Passagiere in die Boote gebracht, dabei kenterte ein Boot und 14 Menschen ertranken. Das war am 16. Maerz 1912.
So ging ein grosses Passagierschiff verloren, weil der Wachhabende glaubte: Da kommt ja nur ein Segler.“

©Otmar Kierstein


Die Heringsfischerei zählte sich auch zur Hochseefischerei, allerdings zur kleinen Hochseefischerei. Ihr Tagesablauf wurde, jedenfalls im Westen, noch oft von bestimmten alten Ritualen hergeleitet.
Hier der Weckruf, wenn auf den Loggern, den Fleetliegern, ca um Mitternacht die Fleet eingeholt werden sollte:

1.Weckruf

"Reise, reise ist mein verlangen,
reise reise, ist mein Begehr.
Die schöne Zeit ist nun vergangen,
steht auf von eurem Nachtquateer"

2. Weckruf

"Stoht op ji Fishermen
kamt oud ju Hoggi,
treckt an ju Rocki,
treckt an ju lasen,
binn vor ju Fell.
Is Halemanns Hale
verstoht ju mi, well"
Lauter:
Is Halemanns Hale
verstoht ji mi, well"

Plattdeutsch:
Halemanns Hale = Hol,Hal = Netz einholen

©Otmar Kierstein


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