© Wersi Verona

......bei den alleinige Geschichten ist das ©Copyright bei ©Otmar Kierstein.......Danke noch mals dafür.

Hecktrawler "HOLSTEIN"

Dienst in der Fischmehlabteilung

Es sind über 40 Jahre her als ich in der Fischfabrik eines Trawlers arbeitete. Ich habe mir damals keine Notizen gemacht und will nun versuchen, so aus der Erinnerung heraus, denen die sich dafür interessieren, über diese schwere und kräftezährende Arbeit berichten. Fehler sind nicht ausgeschlossen, die Hauptsache ist, sie lösen eine fachliche und sachliche Diskussion aus.

Da ich im März 1967 keine Stelle als Assi bekommen konnte, stieg ich, um überhaupt eine Heuer zu bekommen, auf FMS Holstein, als Maschinen – und Motorenwaerter, für den Bereich Fischmehlfabrik, ein. Ein Kollege der diesen Dienst schon lange ausübte sollte mich mit der anfallenden Arbeit vertraut machen und anleiten.

Während der Reise ins Fanggebiet zwischen Neufundland und Grönland, gingen wir zusammen mit der Maschinencrew 3 Wachen, nach Ankunft im Fanggebiet allein 2 Wachen.

Im Gegensatz zu einem Seitentrawler, wo nach dem schlachten des Fisches das Deck gewaschen wird und die Überreste des Fisch’s, zur Freude der Möwen, in die See gespült wird, bleibt auf einem „Fabrikschiff“ nichts mehr vom Fisch übrig.

Der Fisch gelangt, nachdem das Netz an Deck gehievt und der Knoten des Beutels geöffnet wurde, durch eine Luke in die Fabrik wo er in großen Krebben aufgefangen wurde. Von hier wurde er von einem Fischwerker auf das laufende Band das zur Säge führte geworfen, wo der Kopf entfernt wurde. Der kopflose Fisch wurde durch das Band weiter transportiert, zur ersten Filetier-maschine, wo das obere Filet abgetrennt wurde und zur zweiten Maschine wo das zweite Filet geschnitten wurde, nachdem der Fisch automatisch gedreht wurde.

Als letztes standen 2 Fischwerker am Band, die, mit einem superscharfen Messer, eventuell übrig gebliebene Gräten entfernten und das Filet in handliche Stücke schnitten. Nun wurden die Fischteile in Kartons fachgerecht sortiert und gestapelt. Als letztes wurde der Karton geschlossen und in den Kühlraum weitergeleitet wo er zu Platten gefroren wurde.

Was passierte nun mit den übrig gebliebenen Teilen des Fisches, den Gräten, Kopf, Haut, Flossen usw.?

Die Teile fielen vom Band in einen großen Sammeltrichter und rutschten von dort aus, nach öffnen einer Beschickungsklappe in eine rotierende Trommel mit einer Walze in der die Fischreste gereinigt und zermahlen wurden. Automatisch weiter transportiert, wurden die Fischreste nun in verschiedenen Trommeln gekocht, noch einmal zermahlen, das Fischöl entzogen, der übrig gebliebene Gammel getrocknet, wiederum gemahlen, auf ein Transportband geschüttet und zur Abfüllmaschine weitergeleitet. Kurz vor der Abfüllung befand sich ein großer starker Magnet der die Aufgabe hatte, Fremdkörper aus dem Fischmehl herauszuziehen. Hunderte von Angelhaken hingen bereits an diesem Magneten und immer wieder dockten neue Haken an dem Magneten an. Ein sicheres Zeichen dafür das sich eine menge Fische im laufe ihres Lebens vom Haken eines Anglers oder einer Langleine befreien konnten. Nunmehr, gereinigt von allen Metallteilen, ergoss sich das feingemahlene Fischmehl in einen Trichter und den darunter befestigten Sack.

Dieser Fischmehlraum war ein enger länglicher Raum, voll gestopft mit Elektromotoren, den rotierenden kochendheißen Trommeln, den Förderbändern mit dem noch heißen Fischmehl. Eine konstante Hitze, solange Fisch gefangen wurde und Gammel anfiel, der Schweiß lief in Bächen den Körper herunter. So ähnlich müssen sich die Trimmer und Heizer in unzähligen Maschinenräumen, der Dampfschiffe vergangener Zeiten, gefühlt haben, Aber zurück in die Gammelküche. Die Motoren und alles was sich drehte oder irgendwie bewegte, musste fast stündlich abgeschmiert oder geölt werden und immer aufpassen das man sich nirgends verbrannte. Manometer mussten abgelesen werden, ein Maschinentagebuch geführt werden. Die Luft war stickig. Der Geruch nach Fisch, nach Gammel und nach Fischmehl hing in der Luft. Der eine, vorhandene Lüfter,schaffte es nicht, uns ein wenig mit frischem Sauerstoff zu versorgen. In der ersten Zeit litt ich sehr unter Seekrankheit, der Gestank in diesem Arbeitsraum tat sein übriges, meine Galle war nach drei Tagen vollständig in der Bilge verschwunden. Die Lust zum Leben schwand, am liebsten wäre ich nach Außenbords verschwunden. Aber ich habe mich immer wieder an meinem Kollegen aufgerichtet, der mir ein großes Vorbild war und viel Verständnis zeigte. Ab und zu löste er mich eher ab und schickte mich in die Koje. Ich bin ihm noch heute dankbar dafür. Aber nun zurück zum Fischmehl das sich auf dem Vörderband befand, an dem Magneten vorbei geführt wurde und in den unter Abfüllanlage befestigten Sack fiel. Dieser Sack war selbstverständlich auch von mir(oder von meinem Kollegen) dort befestigt worden und es musste aufgepasst werden das er nicht überlief. War er voll,( Gewicht etwa 1,5 Zentner) musste er blitzschnell unter der Abfüllanlage hervor gezogen und ein neuer Sack befestigt werden, denn das Förderband lief weiter. Der volle Sack wurde zugebunden und kam nun ins Fischmehllager das sich direkt dem Verarbeitungsraum anschloss. Dieser Raum, ich denke es war die Achterpiek, war eiskalt. Wir schleppten die Säcke, durchgeschwitzt wie wir waren, nun in diesen kalten Raum, buckelten ihn manchmal in die fünfte Lage, eine Leiter hinauf um ihn in die obere Lage zu stapeln. Kriminell wurde es wenn die See unruhig wurde. Das Achterschiff fuhr rauf und runter,man kam sich vor wie in einem verrückt gewordenen Fahrstuhl (aber das kennt ihr ja alle selbst) und die seitlichen Bewegungen brachten mitunter den ganzen mühsam aufgebauten Säcketurm wieder zum Einsturz. Einmal wurde ich unter so einer einstürzenden Säckewand vollkommen begraben und brauchte ca 2 Stunden um mich zu befreien. Aber das war normal und obwohl wir die Säcke pro Lage mit starken Bohlen abstützten, passierte das immer wieder. Also neben der Routinearbeit alles wieder aufbauen und der Ablösung ordentlich die Wache übergeben.

Ja, so war das in der Fischmehlfabrik, bald aber hatte man sich eingewöhnt und eingearbeitet. Vieles ist einem leichter gefallen und man hatte sich mit allen Tricks vertraut gemacht.

Aber eins konnte ich auf den Tod nicht leiden: Wenn ich, wegen Reparaturen, verspätet zum essen kam und vor mir war ein Fischwerker der sich den dritten Nachschlag holte und zu mir sagte der Koch: tut mir leid aber nu is alles alle, musst halt eher kommen, da hab ich ein Fass aufgemacht und beim dritten mal, hab ich mir den Koch am Kragen gepackt und durch die Luke gezogen. Als ich dann richtig zur Sache kommen wollte, kam grad der Alte vorbei und beschaute sich die Sache. Wir mussten ihm dann die Angelegenheit schildern, jeder aus seiner Sicht. Der Alte fällte ein salomonisches Urteil und der Koch musste mir ein extra feines Essen kochen. Ja, es ging rau aber herzlich zu, auf den Fischereifahrzeugen.

©Otmar Kierstein

Otmar's Weihnachtsgeschichte

Es sind nun fast 41 Jahre her, doch ich habe es nie vergessen und so manches mal, wenn ich um Weihnachten in meinem Sessel sitze, kommt die Erinnerung an das Weihnachts-fest 1966, wieder.
Ich war am 12.12.66 auf dem Trawler „Holstein“ , einem Heckfänger, der Hochseefischerei Kiel, angemustert. Es ging zum fischen in den Nordatlantik. Nach ca 5 Tagen Fahrt wurde im Seegebiet zwischen Neufundland und Groenland das Netz ausgesetzt. Mitunter waren in der Ferne die kalbenden Gletscher an der Kueste Groenlands zu sehen. Trawler bahnten sich ihren Weg zwischen den Eisbergen und Schollen, die gemächlich ihren Weg, mit der Stroemung, zogen. Die Sonne schien und ich sah eine wunderschoene unvergessliche Eis- Wasserlandschaft vor mir.
Auf dem Schiff herrschte Routine. Ich war in der Fischmehlfabrik eingesetzt, zusammen mit einem Kollegen. Wir arbeiteten umschichtig im 2 Wachensystem. Die See war ziemlich ruhig, der Wind so bei 7 – 8.
Weihnachten naeherte sich. In 2 Tagen war Heiligabend. Unruhe ging durchs Schiff, denn es war bekannt geworden, dass eine Weihnachtsfeier nur stattfinden sollte, wenn wegen Schlechtwetter nicht mehr gefischt werden konnte. Die gute Laune war verflogen, unlustig verrichteten die Besatzungsmitglieder ihren Dienst.
Ein Tag vor Heiligabend hatte sich der Seegang ein wenig erhoeht. Windstaerke bei 9,. Das Schiff arbeitete stärker, lautes donnern erklang wenn Eisschollen gegen das Schiff schlugen. Ruhe zu finden oder gar zu schlafen viel schwer.
Heiligabend. Alles war wie am Tag zuvor. Lustlos taten wir unsere Arbeit. Es wurde diskutiert, denn es war nicht nur kein schlechtes Wetter, nein – wir fingen auch nichts. Ob man den Alten wohl umstimmen kann?
Gegen Mittag kam die Parole: Es briest auf. Immer heftiger legte sich das Schiff auf die Seiten, arbeitete sich durch und ueber die Wellen und rutschte ins nächste Wellental. Der Fangbetrieb wurde bei Windstaerke 11 eingestellt. Jetzt konnte auch die Weihnachtsfeier stattfinden.
Wir trafen uns in der Mannschaftsmesse. Der Kapitaen hatte Bier und einige Flaschen Sprit ausgeben lassen. Der Koch hatte einen Berg Schnitten und Haeppchen gemacht. Warmes essen konnte er nicht mehr anrichten, denn die See schleuderte das Schiff hin und her. Rasch kamen wir in Stimmung. Der Kapitaen erschien in der Messe, Weihnachtslieder wurden gesungen, der Kapitaen gab mit zwei Loeffeln die er aufeinander schlug den Ton an, der Chief blies auf einem Kamm, der Koch schwang die Suppenkelle und alle anderen sangen lauthals die schoensten Weihnachtslieder.
Das Schiff rollte und stampfte und schon bald war die Feier beendet. Langsam standen wir auf, um in unsere Kojen zu klettern. Da hiess es: Bei den Fischwerkern ist noch etwas los. Schnell wurde aus den Schraenken die eine oder andere Flasche ausgebuddelt und ab gings zu den Kollegen. Hier gab es ein Schifferklavier und eine Mundharmonika. In einer 4 Mann-Kammer nisteten wir uns ein, klemmten uns irgendwo fest das wir nicht umfallen konnten und sangen die schönsten Seemannslieder aus aller Welt und um so mehr Sprit wir tranken, um so schöner wurden die Lieder und um so lauter die Gesänge.
Ja, es war ein schöner Heiligabend. Wir konnten zwar nicht bei unseren Familien sein und doch haben wir eine unvergessliche Weihnacht erlebt.

©Otmar Kierstein

TOD AUF SEE

Wieder einmal eine Erzaehlung meines Freundes Wolfgang Berger die ich frei aufgeschrieben habe und hier gern wiedergebe. Die wahre Begebenheit passierte mitte der 1950ziger Jahre.

Vielfaeltig sind die Gefahren denen der Seemann ausgesetzt ist. Der Spruch „Eine Hand für dich, eine Hand für’s Schiff“ gilt leider nicht immer. Er gilt dann nicht, wenn die See ueberraschend zuschlaegt, so schnell und erbarmungslos das der Seemann den rettenden Griff zu einem Tampen, einem Gelaender oder einen Masten, nicht mehr ausfuehren kann.

Dieser uralte Spruch gilt dann nicht wenn der Seemann arbeiten zur Rettung des Schiffes, der Ladung und fuer die Sicherheit des Schiffes ueberhaupt, durchfuehren muss. Wie soll er fuer seine eigene Sicherheit sorgen wenn er beide Haende benoetigt, um zum Beispiel ein Scherbrett am Galgen zu befestigen oder ein Grundnetz aus dem Wasser zu reissen, Minuten bevor die Auslaeufer des drohenden schweren Sturms das Schiff erreicht haben?

Damals, in den 50ziger Jahren gab es keinerlei Warnung vor einen heranziehenden Sturm.
Das musste der Kapitaen in der Nase haben, das musste er in den Knochen spueren was da in der heranziehenden schwarzen Wand steckte, die sich drohend immer schneller dem Schiff naeherte. War es nur ein Hagelschauer oder ein Schneeschauer der sich in der schwarzen Wolke versteckte? Es konnte aber auch ein Orkan sein, man spuerte ja schon wie sich das Schiff bewegte, wie es ueberholte, bockte, Wasser uebernahm und wie Tonnen von Wasser gegen die Brücke prallten.

Da hiess es in der Fischerei: „All Hands an Deck“. Das teure Fanggeschirr musste an Bord und Wetterfest vertaeut werden.Das Schiff musste innerhalb Minuten Seeklar sein. Nichts durfte mehr lose an Deck stehen. Es geht nicht nur um das Schiff, es geht auch um 20 Seeleute. Alle sehen nun zu ihm hoch, zum Kapitaen. Er musste wissen was zu tun ist. Er hatte zwar auch keine Geraete, kein Funk um ev Hilfe herbei zu holen, wie die Schiffe in der heutigen Zeit aber er musste all das ersetzen, er musste ruhig und gelassen reagieren. Nur keine Bedenken zeigen, denn alle Augen hingen nun an ihm. All das in den geschilderten Situationen, waehrend der kleine Logger mit seinen 320 BRT, auf dem Wasser tanzte wie ein Kronkorken.

So also war ungefaehr die Situation als das passierte – was passierte.
Ich hatte Wache und stand am Steuer und merkte an dem riesigen Steuer schon wie das Schiff bockte und versuchte aus dem Ruder zu laufen.
„Geh du mal runter“ sagte der Kapitaen zu mir“ hilf mal das Fanggeschirr an Bord zu bringen, wird wohl ein bisschen mehr, wie ‚ne Briese werden“.
Ich bin also runter und habe meinen Platz in der Reihe von Decksleuten eingenommen um das Fanggeschirr nun sicher an Bord zu bringen.
Als ich nun mit dem Kopf wieder hochkomme fliegen mir auf einmal ein paar Stiefel um den Kopf. Verdammt wer wirft denn nun noch mit Stiefeln?
Wir drehten uns um und waren geschockt. Ein blutiges Buendel Mensch lag vor der Winsch. „Weitermachen, Weitermachen“, bruellte der Alte von oben. „Erst das Schiff, dann alles andere,“ mokt hen, mokt hen“.

Ein Matrose sprang an die Winsch und zog nun das Fanggeschirr aus dem Wasser. Wir zogen den Beutel auf und liessen unseren Fang wieder schwimmen. Das Fanggeschirr wurde an Bord gehievt und in Sicherheit gebracht. Nun konnten wir uns um „die anderen Dinge“ kuemmern. Das blutige Buendel Mensch vor der Winsch, war unser Bestmann. Er war bei dem schweren ueberholen des Schiffes, mit dem Aermel des Oelzeugs in die Winde gekommen und wurde mit reingezogen. Er ueberschlug und umwickelte sich mehrmals und war tot.

Wir konnten bei dem schweren Wetter nicht einmal eine kurze Andacht halten. Wir nahmen unsere Muetzen ab als Zeichen der Trauer und zogen den Leichnam auf den Arbeitsgang, wickelten ihn in  Decken und anschliessend in eine Persenning.
Auf Anweisung der Reederei traten wir sofort die Heimreise an. 

©Otmar Kierstein 

HEIMFAHRT

Man vergegenwaertige sich die 50ziger Jahre. Die Schiffe die zur See fuhren waren zum groessten Teil alles alte Zossen. Es durfte an deutschen Schiffen nur zur See fahren was von der englischen oder amerikanischen Militaerregierung erlaubt wurde.
So war es eben auch in der Fischerei. Die Erlaubnis zum fischen erhielten nur alte, kleine und untermotorisierte Logger und Fischdampfer. Teilweise handelte es sich um Schiffe die schon Monate oder gar Jahre auf dem Grund des Meeres gelegen hatten.
Sie waren gehoben worden, instandgesetzt und wurden wieder aufs Meer geschickt, teilweise unter Segel laufend oder mit kleinen Hilfs-
Dampfmaschinen bestückt. Das waren die kleinen Fleetlieger, die mit einer etwa 6 km langen Fleet (Treibnetz) ausgestattet waren und die hinausfuhren um dem hungernden deutschen Volk Nahrung (Fisch) zu fangen. Alle Arbeit wurde von Hand ausgefuehrt, beim hieven des schweren, mit Wasser vollgesogenen und hoffentlich mit Hering vollen Netz, gab es nur eine mechanische Hilfe, einen kleinen Spill, der zudem noch von den sogenannten Spilloepern , von Hand gedreht werden musste.
Sechs Wochen blieb so ein Schiff im Fanggebiet, wenn die Lade -raeume nicht schon schneller voll waren und keine Decksladung mehr untergebracht werden konnte.. Nach 6 Wochen war aber dann endgueltig Schluss. Die Stimmung stieg. Es ging bald heimwaerts. Erst einmal wurde das kostbare Netz auseinander geknüpft, es bestand ja aus 160 einzelnen Feldern, die in der Netzlast untergebracht werden mussten. Die Decksladung wurde Wetterfest verzurrt und das Schiff von vorn bis achtern gewaschen. Niemand roch mehr etwas von Schmutz und Gammel.
Dann wurde erst einmal ausgeschlafen. 24 Stunden in einem Törn. Nur unterbrochen vom Wachdienst. Nun begannen die ersten sich zu duschen. Das heisse Wasser aus der Maschine dampfte und der Wasserdampf zog durch das ganze Achterschiff. 16 – 20 Mann mussten mit heissem Wasser versorgt werden.
Erst jetzt ging es mit der taeglichen Arbeit langsam voran. Die Unterkuenfte, Toilette, Niedergänge und Arbeitsgaenge wurden gefeudelt, Messing geputzt und Staub gewischt.
Wenn alles geschafft war und das geschah in einer affenartigen Geschwindigkeit dann konnte man auch zum gemuetlichen Teil Übergehen. Der Steuermann musste aus dem Zollschap die Alkoholika herausgeben und die erste Flasche kam gleich auf den Tisch. Rundherum wurde eingeschenkt und getrunken. Es wurde gewuerfelt, Skat gespielt und wenn die nötige menge Alkohol dann getrunken war, holte Hein sein Schifferklavier hervor und Jonny seine Mundharmonika und dann wurde gesungen was das Zeug hielt, Alte Seemannlieder, Shanties und Arbeitslieder aus der Fischerei. Zwischendurch wurde Wache gegangen und mancher Nachkommer wunderte sich wenn das Schiff aufeinmal leichttaenzelnd Schlangenlinie fuhr. Gebechert wurde bis es nicht mehr ging. Kapitaen und Steuerleute hatten den Wachdienst schon allein übernommen oder war ueberhaupt jemand auf der Brücke? Ach heute will ich darueber nicht mehr nachdenken, denn gestern war gestern und heut ist heut.
Jäh wurde das feiern unterbrochen wenn der Hafen in Sicht war, denn im Hafen musste Noch die Ladung von Bord. Das war auch noch die Arbeit der Besatzung. 28oo Kantjes mussten von Bord. Man war das eine Schinderei. Aber auch das wurde geschafft und wer dann nach getaner Arbeit nicht nach Hause wollte, erfuellte sich den Traum einer eigenen Stammkneipe. 

©Otmar Kierstein

Erinnerungen

Vor einigen Tagen war mein Freund Wolfgang Berger zu Besuch.
Wolfgang war seinerzeit Vollmatrose auf Loggern der Glueckstaedter Heringsfischerei, bis er durch einen schweren Unfall seinen rechten Arm verlor.

Nachdem wir uns ein schönes kuehles Bier schmecken liessen, begannen wir mit der unvermeidlichen Fachsimpelei über Reedereien, Schiffe, Kameraden, Kapitaene, Faenge ,usw. Wir kamen darauf dass man ja in den 50ziger Jahren kein schönes gekühltes Bier, an Bord, bekommen konnte, denn Kühlschraenke oder gar Gefrierschraenke, gab es ja noch nicht an Bord der aelteren Logger. Eine Schande! Igitt, warmes Bier, aber wie war das denn damals, wie wurde denn gekühlt und die Verpflegung frisch gehalten?
Naja, etwas Eis fuehrte man ja in den Fischräumen immer mit aber dort wurden unsere verderblichen Esswaren, die für einige Tage reichen mussten, untergebracht. So etwa Frischfleisch, frische Wurstwaren, Kaese, Butter, Gemuese usw.
Da wir aber für 6 Wochen verproviantiert waren, ging es, nachdem die auf Eis liegenden Waren aufgebraucht waren, oder kein Eis mehr da war und das Fleisch ungeniessbar wurde, anschliessend an die Faesser.
Die Faesser, in dem sich die Verpflegung befand, das waren einfache Heringsfaesser, die mit Poekelfleisch gefüllt waren und mit all den Dingen die man zur Verpflegung einer 18koepfigen Crew braucht. Auch Frischwasser wurde in den Kantjes mitgenommen und bei Bedarf in die Trinkwassertanks umge-
fuellt. Von hier aus wurde es dann, mittels der Trinkwasserpumpe, zu den Entnahmestellen, in die Kueche oder zur Toilette gepumt.

Es war alles darauf ausgerichtet das das Schiff mit seiner 18koepfigen Mannschaft etwa 6 Wochen auf See blieb. Was aber, wenn die leeren, mitgefuehrten Faesser, mit Hering und Salzlake gefuellt waren? Ja und da standen nun noch 20 Faesser mit Verpflegung und Trinkwasser. Da gab es nun nicht viel zu überlegen. Nach und nach verschwanden der Inhalt der Kantjes in der Nordsee. All die schoene Verpflegung und das koestliche Frischwasser gingen ueber Bord. Das war halt so! Der Fang war das wichtigste! Was brauchte man Wasser, was brauchte man Verpflegung, hauptsache es war Platz da für den gefangenen Fisch. Damit verdiente man das Geld. So manche Besatzung kam mit einem Riesenhunger zurück von See. Seit Tagen hatte es nur noch gebratenen Hering gegeben. Die Besatzung stank nach Schweiss und Fisch. Sie konnten sich seit Tagen nicht mehr waschen und die die sich auch auf See nicht gewaschen hatten und 5 Wochen lang trocken geblieben waren, weil ihnen jede Minute Schlaf wichtiger war, denen ging es besonders schlecht. Die musste man im weiten Kreis umgehen, so einen Eigengeruch hatten die Kameraden.

Ja, nun will ich mal nicht allzu viel verraten. Mein Freund und und ich wir trennten uns am späten Abend. Er voll Bier und ich den Kopf voller neuer Geschichten.

©Otmar Kierstein

Logger AE 117 „RAVENSBERG“

Reederei: Emder Heringsfischerei
Wer kennt sie heute noch, die Schiffe; die in Erfüllung Ihrer Arbeit auf See geblieben sind? 1937 ist der Logger „RAVENSBERG“ , mit fast seiner gesamten Besatzung, von der See verschlungen worden.
Ich möchte Euch, in einer kurzen Geschichte, davon berichten.
Frei nacherzählt aus den Berichten des Steuermanns, im Buch „Segen des Meeres“.
Der Logger „RAVENSBERG“ war im Sommer 1936, aus seinem Heimathafen Emden, zu den Fischgründen an der Doggerbank zurückgekehrt. Er hatte auf seiner vorherigen Fangreise einen Rekordfang von 1000 Kantjes Heringen gehabt und war in der Heimat entsprechend gefeiert worden. Die Mannschaft war willens diesen Rekord noch zu überbieten und in diesem Jahr den Titel des „Heringskönigs“, für ihren Kapitän, zu erringen.
Nun hatte sich das Schiff, bei schönstem Sommerwetter, mit etwa 20 anderen Loggern, in respektabler Entfernung voneinander, am Ostrand der Doggerbank, aufgebaut. Ruhig lagen sie hinter ihrer Fleet und hofften auf einen guten Fang……..
Das Wetter änderte sich auf einen Schlag.
Es briste mächtig auf. Wie eine dunkle Wand standen Regen und Hagelboen an der Kimm. Wild pfiff der Wind durch die Takelage und die dunkle lang anrollende Nordsee setzte weiße Kappen auf. Die See kochte. Der Logger dümpelte und schwankte, steckte seine Nase in die auflaufende See. Alles an Deck wurde festgezurrt.
Für den Kapitän kam die Frage, die Fleet einzuholen oder sie, in der für das Schiff inzwischen gefährlich gewordenen Lage, zu kappen und für immer verschwinden zu lassen. Dann stand sein Entschluß fest. „Hiev up“, brüllte er und das Kommando wurde an die Crew weitergegeben.
Der jüngste Matrose übernimmt das Steuer. Steuermann und Kapitän befinden sich im Kartenraum. Sie versuchen sich über ihre Lage klar zu werden. Der Funker gibt einen Lagebericht: „Die „Elbe“ hievt und will dampfen, die Glückstädter sind ebenfalls beim hieven, sie wollen die Heimfahrt antreten“.
„Kurs Norden zum Westen ein Viertel West“, kommt der Befehl aus dem Kartenraum .Der Funkenpüster gibt den neusten Seewetterbericht:“ Südliche Nordsee, Gefahr starke Stürme…..“seine Stimme geht unter im heulen des Sturmes.
Mit laufender Maschine wird versucht das Schiff gegen die See zu halten, die Lichtmaschinen surren, die Scheinwerfer beleuchten das Deck und die wilde kochende See . Ein gespensterhafter Anblick.
Jetzt müssen alle Mann an Deck, das Netz muss so schnell wie möglich eingeholt werden. Die Mannschaft hat sich bereits an die Arbeit gemacht. Mit vereinten Kräften ziehen sie das Netz an Bord und schlagen den Hering in die Krebben. Der Kapitän und der Steuermann eilen aus dem Steuerhaus um der Mannschaft zu helfen.
Eine gewaltige See wäscht über das Deck. Der Kapitän wird von der Welle erfasst und über Bord gerissen. Der Ruf „Mann über Bord“ wird von den tobenden Elementen verschlungen. Vor den Augen des Steuermanns versinkt der Kapitän in den tobenden Fluten.
Die Jung’s arbeiten wie verrückt. Noch haben sie kaum bemerkt das der Kapitän nicht mehr da ist. Die Finger krallen sich fest in die Maschen, mit blutenden Händen versuchen sie die Fleet zu retten. Die See wirbelt über die Männer hinweg. Irgendwo versuchen sie sich festzuhalten, damit sie nicht über das Schanzkleid hinweggespült werden.
Durch die Luken des Reepraums und des Netzraums schießt das Wasser. Die Pumpen schaffen es nicht mehr das Wasser aus den Räumen zu lenzen.
Das schwere Netz zieht den Bug des Loggers unter Wasser. Der Steuermann
hat den Leichtmatrosen geschickt um eine Axt zu holen. Mit kräftigen Schlägen durchtrennt er nun das Reep. Das Seil reißt und die Fleet versinkt in den Fluten. In diesem Moment reißt eine riesige Welle die Bohlen der Krebben aus Ihren Verankerungen und schleudert sie gegen die Brücke. Die Bohlen durchschlagen die Vorderseite des Steuerhauses, zerschlagen das Steuerrad und reißen dem am Ruder stehenden Matrosen die Beine unter dem Leib weg. Das Schiff ist Steuerlos. Hilflos treibt das Schiff in der tobenden See.
S-O-S, auf Anordnung des Steuermanns gibt der Funker ununterbrochen den Hilferuf. S-O-S…..S-O-S, hier Logger Ravensberg, brauchen dringend Hilfe und später , S-O-S…… wir sinken…..
Der Hilferuf wurde gehört, ein in der nähe dampfender Logger änderte den Kurs und versuchte mit höchst möglicher Fahrt den Unglücksort zu erreichen.
Ununterbrochen suchte die Mannschaft die See ab. Da sichtete der Kapitän von der Brücke aus, ein treibendes Brett. Mit voller Fahrt gingen sie näher heran. Ein Arm hob sich vom Brett und winkte mit letzter Kraft den Retter zu.
Die See tobte noch immer, es bestand Gefahr das das Brett mit den Schiffsbrüchigen an der Bordwand zerschellte. Aber alles ging gut. Der Steuermann und der Schiffsjunge des gesunkenen Loggers wurden an Bord gezogen. Stark unterkühlt wurden sie in freie Kojen gepackt, in Decken gewickelt und der Fischereikreuzer wurde gerufen um die beiden in ärztliche Behandlung zu bringen.
Lange wurde die Unfallstelle abgesucht. Es wurde nichts weiter gefunden als treibende Bretter, Bohlen, Kantjes und einen Rettungsring.
Am Abend starb der Schiffsjunge im Alter von 14 Jahren.

©Otmar Kierstein

Die tödliche Gefahr

Dänemarkstraße, Windstärke 10, ein eisiger Nordoststurm, stark nässender Nebel, feiner Nieselregen, der den Männern auf dem Deck, des fischenden Trawler´s, die Atemluft gefrieren lässt. Der Fisch des letzten Hol’s soll noch geschlachtet werden und unter Deck, bevor der nächste Hiev an Bord kommt.
Die Männer merken nichts von der aufziehenden Gefahr, verbissen arbeiten sie daran, den Fisch unter Deck zu bekommen.
Oben auf der Brücke steht der „Alte“. Er hält allein Wache wenn alle Hände an Deck gebraucht werden und so sieht er allein das Unheil wachsen und langsam, Zentimeter für Zentimeter, stärker werden. Er erkennt in welcher Lage sich sein Schiff befindet. Es ist die schlimmste die man sich denken kann. Eine Wetterkatastrophe ohnegleichen. Der „Black Frost“ hat sie fest in den Händen. Bisher hatten sie jedem Orkan getrotzt aber gegen den „Black Frost“ waren sie ohne Chance.
Die Takelage, die Aufbauten, waren von einer dicken glasähnlichen Schicht überzogen, die Antennen mit den dicken Kupferlitzen der Funkanlage, waren gebrochen unter dem Gewicht der Eislast. Ein Notruf wäre im Ernstfall unmöglich.
Was war nur los mit dem Schiff? Es bewegte sich mit seltsamen schwammigen Bewegungen. Die Eisschicht die das Schiff überzog wurde dicker und dicker, bei der Geschwindigkeit würde die Topplastigkeit des Dampfer’s stark ansteigen und bald würde der Trawler mit der gesamten Besatzung absaufen. Hier, in diesem unwirtlichen Polargebiet würde es keine Hilfe für die Besatzung geben.
Der Kapitän gab den Befehl, um die manöverierfähigkeit des Schiffes zu erhöhen, das Fanggeschirr zu hieven. Es war längst klar das es jetzt um Leben und Tod ging. Beim starken überholen des Schiffes richtete es sich nur noch zögerlich auf. Wenn nicht bald etwas geschah würde es sich nicht mehr aufrichten. Der immer stärker werdende Nieselregen, vermischt mit Seerauch und Nebel hatte inzwischen einen tonnenschwerer Eispanzer auf das Schiff gelegt. Ein abschlagen des Eises machte wegen dem sich im Nebel befindliche Süßwasser unmöglich.
Es blieb nur eins: Sich in südlicher Richtung ein Eisfeld suchen und das Schiff dort hinein manöverieren um wärmere Gegenden zu finden. Dabei passierte es immer wieder das der Sturm schräg von achtern kam und Winddruck und Topplastigkeit dazu führten das das Schiff oft Schlagseite bekam, bei einer Kränkung von etwa 30 Grad „hängen“ blieb und mit Ruder und Maschinenmanöver wieder auf ebenen Kiel gebracht werden musste.
Schließlich wurde ein Eisfeld gefunden, in dem ruhigeren und wärmeren Wasser taute der Eispanzer wieder ab und bald konnte es mit der Fischerei weiter gehen.

©Otmar Kierstein

Hai im Netz

Hier schreibe ich mal wieder ein Erlebnis meines Freundes Wolfgang Berger, frei wiedergegeben nach seiner Erzaehlung.
Am Abend, als wir auf dem Fangplatz ankamen, wurde sofort das Treibnetz ausgesetzt. Der Kapitaen achtete immer darauf das ja kein Leerlauf entstand und jede Minute fuer den Fang genutzt wurde. In dieser Nacht durften wir noch ein wenig schlafen und morgens um 6.00 Uhr wurden wir durch laute Rufe: Reise Reise, Seemann hoch mit dem Arsch, raus aus der Koje, Hiev up, geweckt.
Schnell sprangen wir aus den Kojen, zogen uns an, nahmen auf die schnelle ein kleines Fruestueck zu uns und hasteten an Deck. Nachdem wir die halbe Fleet an Deck hatten, bemerkten wir das die im Netz haengenden Heringe immer weniger wurden und das Netz immer schwerer. Das Netz wollte ueber die Geestrollen wieder ins Meer zurückrutschen.
Ueberrascht schauten sich die Matrosen an.
„Ein Hai“ , ruft lautstark der Steuermann. „Ein Hai“ rufen unglaeubig die Maenner, den Duevel ook, der hat uns noch gefehlt. Das gibt zusaetzliche Arbeit, Arbeitspausen und zerrissene Netze denn so ein 3 Zentner Hai, reisst mit seinem gewaltigen Maul alles kaputt.
Das Biest von einem Heringshai wollte sich doch tatsächlich die im Netz haengenden Heringe, zu Gemuete fuehren und da er die Angewohnheit hat, sich beim schnappen der Beute auf den Ruecken zu drehen und mit seinen Zaehnen in den Netzmaschen haengen blieb, wickelte er sich beim drehen, regelrecht in das Netz ein.
Tja und nun ist es so, dass man ihn nicht einfach auswickeln kann. Das waere stundenlange Arbeit.
Mit den Zaehnen haelt der Hai eine handvoll Netzmaschen, die lange Rueckenflosse und der Schwanz haben sich gaenzlich vertakelt. Er hat sich einige Male links herum und rechtsherum gedreht und wenn man nun versucht haette das vordere ende loszuspulen, waere das hintere ende um so fester gewickelt gewesen und umgekehrt waers genauso.
Na alte Fischersleute wissen schon was jetzt kommt, der Schwanz wird frei gemacht und abgeschnitten, ebenso die Rueckenflosse. Die Zaehne frei gemacht und schon kann man seinen spindelfoermigen Koerper aus den zusammengedrehten Netz ziehen. Seitlich werden nun noch zwei Handgriffe in das Tier geschnitten, 2 Matrosen fassen an und werfen den Hai ueber Bord.
Er sinkt sofort, ohne Schwanz und ohne Steuer, wie ein Stein, auf Grund. 

©Otmar Kierstein


Datenschutzerkärung:

Datenschutz

Der Betreiber dieser Seite nimmt den Schutz Ihrer persönlichen Daten sehr ernst. Ich behandel  Ihre personenbezogenen Daten vertraulich und entsprechend der gesetzlichen Datenschutzvorschriften sowie dieser Datenschutzerklärung.

 Die Nutzung meiner Webseite ist in der Regel ohne Angabe personenbezogener Daten möglich. Soweit auf meinen Seiten personenbezogene Daten (beispielsweise Name, Anschrift oder E-Mail-Adressen) erhoben werden, erfolgt dies, soweit möglich, stets auf freiwilliger Basis. Diese Daten werden ohne Ihre ausdrückliche Zustimmung nicht an Dritte weitergegeben. Ich weise darauf hin, dass die Datenübertragung im Internet (z.B. bei der Kommunikation per E-Mail) Sicherheitslücken aufweisen kann. Ein lückenloser Schutz der Daten vor dem Zugriff durch Dritte ist nicht möglich.

Für die hier abgebildeten Stempel,Fotos und Kleinfilme,habe ich die persönliche Genehmigung von den jeweiligen

Eigentümer/in.Eine Vervielfältigung oder Verwendung der Fotos und Filme,ist ohne ausdrücklicher Zustimmung der Eigentümer/in und mir nicht gestattet.